|
Fieber
Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit und mal wieder zu spät dran,
und ich guckte nach rechts und nach links, und ich sah verbissene rote Gesichter, die
gefangen waren in glühenden Blechkisten, großmäulig, großspurig, mit
riesigen
Schlangen aus Zorn auf der Stirn, wildgestikulierende Tomaten in einem Backofen,
und ich justierte den Spiegel so, daß ich mich selber sah und sagte "Hm",
was beileibe kein gutes Zeichen war, so viel fehlgerichtete Energie,
und ich dachte daran, daß es an der Zeit sei, ein für allemal auszusteigen,
als wieder so ein wildgewordener Ritter an mir vorbeirauschte
und vor Freude auf sein Lenkrad knüppelte, und wenn mir
einer derartig den Fehdehandschuh hinknallt, kann ich einfach nicht anders,
und ich sprengte das bißchen Motor, das mir zur Verfügung stand,
nur um nur um mir das Gesicht meines Kontrahenten vorstellen zu können,
wenn er mich in seinem Rückspiegel auftauchen sah.
Und ich hatte ihn auch schon bald am Schlawittchen und hing ihm
bedrohlich auf der Pelle, aber irgendwie kam ich wieder zu
Bewußtsein, mein Auto hatte die Knautschzone einer Fliege,
und der andere war auch nur eine Fliege, irgendetwas hatte uns
zum Tänzeln gebracht, die Hitze, Metall an Metall, die vielen
außer Rand und Band geratenen Gesichter,
wir machten uns hier gegenseitig das Leben zur Hölle,
und im Büro würde es so weiter gehen,
und da, wo ein weißes Pferd über die Ampel ritt,
klinkte ich mich aus dem Verkehr aus,
fuhr nach Hause, ließ mir ein heißes Bad ein
und türmte die Muscheln am Beckenrand auf.
|