Vorwort

Seid Ihr schon einmal von einem Ufo entführt worden?
Wurdet Ihr vielleicht schon einmal lebendig gehäutet?
Habt Ihr ständig, zurecht, das Gefühl, Euer Bäcker bescheißt Euch mit viel zu klein geratenen, altbackenen Brötchen?
Habt Ihr diese vier Fragen wie aus der Pistole geschossen mit Ja beantwortet? Prima! Ihr habt den Test bestanden, und ich kann Euch die Lektüre der nachfolgenden „neuen Aufzeichnungen aus einem Kellerloch“ wärmstens ans gequetschte Herz legen.
Bei auch nur einer Nein- und damit Falschantwort, geht es erstmal ab zum großen Ufologen BrunO, wo Ihr unter dessen fachkundiger Anleitung mindestens drei Ufos basteln müßt, bevor Ihr Euch wieder hier blicken lassen könnt.
Merket: Diese Texte sind ausschließlich für InSektenmitglieder.

Sagt Euer Thomas Schweisthal


 

Besuch auf dem Land

Ich hatte dieses ganze Haus für mich
würde sagen, mindestens zehn Zimmer zuviel
und ich verlief mich mehr als einmal
bis nach Grönland, und es dauerte zweieinhalb Tage
bis ich die Kühlschranktür fand
ab da war ich ständig besoffen
weil hier auf dem Lande immer Vollmond war
und die Hillbilly-Brüder standen am Zaun und grinsten rüber
vom Inzest zernagte Gestalten
und bauten den Fremden in ihre schmuddeligen Gedanken ein
ich tat mein Bestes, um nichts davon zu erraten
während die Schnecken sich über den Salat hermachten
man konnte sie schmatzen hören
und damit war der Großteil meines Auftrags versiebt
den Garten instand zu halten
ich war ein Gärtner vor dem Herrn
und legte eine Mahler-Symphonie auf
mischte mir das Bier mit Amaretto
und wünschte, ich hätte eine abgesägte Schrotflinte
um den Hillbillys auf den Zahn fühlen zu können
aber ich war alt geworden
jetzt machte mich der Ausblick auf das Grün schon ganz krank
und am zehnten Tage schmiß ich die Bibel gegen die Wand
nahm den nächsten Zug
und als ich wieder zuhause in meiner Bude war
kam ein Erzengel und legte das Dorf in Schutt und Asche
er hatte mich knapp verpaßt.


 

Der Tod der Salamander

Seit Tagen ist das große Gewitter angekündigt
wir verströmen unseren Schweiß
und schießen Salamander von den Wänden

wir sitzen unter dem Ventilator
und reinigen unsere Schrotflinten
ganze Passagen aus Peer Gynt
kommen einem da in Erinnerung

die Wüste wächst über sich hinaus
Bohrlöcher werden abgefackelt
über unseren Häuptern kreisen feurige Engel

wir treffen uns zu einer Runde Skat
jeder verspielt die Netzhaut seines linken Auges
während ein Wal vor unserer Haustür strandet

er erbricht seinen Mageninhalt in einem leeren Swimmingpool
und verwandelt sich in eine Wohnzimmergarnitur
aus den sechziger Jahren

wir drehen das Radio an
Kiesinger, Adenauer, seit
Jahrzehnten hat es nicht geregnet

und dann diese scheußlichen Opernarien
wie kann man die menschliche Stimme nur so verhunzen

jeder geht zu sich nach Hause
zieht sich unter seinen Sombrero zurück
und dämmert fluchend vor sich hin


 

Das ganze Jahr Lametta

Dann kam sie in mein Leben
und schenkte mir ein
vorgewärmtes Bett
und ein schattiges Plätzchen
unter dem Kirschbaum
an dem das ganze Jahr
Lametta runterhing
und ich saß dort in der Natur
in meinem Schaukelstuhl
wie ein alter Mann
und ließ mir Drinks servieren
während ringsherum die Städte brannten
und ich dachte an die Zeit zurück
als ich mich mit
Dämonen prügelte
mit meinen eigenen
und denen der anderen
so komplett verrückt
daß es schon wieder Sinn machte
wie wir uns von Sonnenaufgang
bis Sonnenuntergang verdroschen
und die ganze Nacht über
weil es sonst nichts zu tun gab
und auf einmal kam ich mir so verloren vor
gefüttert wie ein Stallhase in fettem Klee
während weit entfernt die Hölle tobte
und so begann ich auch auf diesem Schlachtfeld
meine Erfahrungen zu sammeln


 

Viermal Mai

Mittags ist zentrale Annahmestelle
Schwüle Ketten hängen in der Luft
Wir alle zeigen unsere Raucherbeine

Nachmittags nur noch Fieberthermometer
Wölfe schwitzen Läuse
Läuse atmen Auspuff

Abend. Die Hollywoodschaukel im Aufwind
Aber keine Überschlagsgefahr
Skat mit zwei Gespenstern
Während die Frösche die Trommel schlagen

Morgens klare Verhältnisse
Der Borretsch räkelt seine Tentakel
Am verblühenden Jasmin hängt das Gefühl
Eigentlich könnte es nur noch aufwärts gehen


 

Vergessen auf Orientalisch

Im Souk von Alexandria
stehe ich inmitten barocker Bauchtanzkostüme, Schnabelschuhe
vor Schweiß glänzender Wunderlampen
einem gigantischen schwarzen Halbmond
dem kehligen Gegurre begnadeter Feilscher
und suche suche ein Geschenk für dich.
Weiter südlich sehe ich den
Käfer
aus Alabaster geschnitzt
und einen fliegenden Teppich
Kurkuma, Safran, Ingwer
Moccakännchen
Perlmuttbesetzte Elfenbeinkästchen
mit einem Futteral aus Samt
und eine Literkaraffe mit Rosenessenz.
Den Nil rauf
bis nach Luxor
Assuan
auf die Insel der Nubier;
der Wind steht günstig
und wir danken Allah auf den Knien dafür.
In einem Teehaus mit Sägespänen auf dem Boden
mit sieben Löffeln Zucker in der Tasse
benebelt vom scharfen Rausch der Shisha
erstehe ich
nach dreistündiger Verhandlung
ein zehnmal gehärtetes Krummschwert;
draußen erhebt der Muezzin seine Stimme
ruft die Gläubigen zum Gebet;
es ist Zeit für mich zu gehen
und die Wanzen aus dem Laken zu schütteln
und während mein Blick an der Schneide entlanggleitet
fällt mir auf, daß ich dich vollkommen vergessen habe
mein Täubchen.


© All words by Thomas Schweisthal. Design for UFOCOMES by Zacke. January 2002.