Zackes Textedition 23:

Bimbam-Babamm!
Alles babagaga! Babababack, Backbam-Backbim! Backgamelan!
Schon wieder Backgammon!

 
03.01.2006
Stand 2005  BuDruSchnellformKrawa-KOa15
Antrag auf Teilnahme an Krawallen:


Erstantrag   Wiederholungsantrag   (Zutreffendes markieren)

Geburtsdatum:

Aktion

Datum, genaue Uhrzeit:


Ort:


K0 Intern O 01   10 c30 111 A



Antragsteller/in*
 
PersoNr:
 
Name: Vorname:  
 
Straße:   Hausnummer:
 
PLZ: Ort:  
 


*Gesetzlicher Vertreter (bei Minderjährigen)
 
PersoNr:
 
Name: Vorname:  
 
Straße:   Hausnummer:
 
PLZ: Ort:  
 

K1 Intern O 01   11 e31 111 P


Blutgruppe Teilnehmer/in

A   B   0   Rh-pos (D+)   Rh-neg (D-)  


 
Impfung
 
  Tollwut   Tetanus   Diptherie
 
  Malaria   Dengue   Ebola


HIV
 
  negativ   positiv  


AIDS
 
  erkrankt seit Datum:  

K2 Intern O 01   00 c30 001 B


Versicherungsschutz

  Krankenkasse

Name der Kasse:V-KartenNr:


  Privatpatient

Name und Anschrift des Arztes:





Telefon:eMail:



  Haftpflicht

  Selbstzahler

K3 Intern O 01   10 d10 001 V


Vorstrafen

  nein

  ja, Jahre: Bewährung, Jahre:


letzte Haftanstalt Ort:


K4 Intern O 01   10 a30 111 H


Bestattungsvorsorge

  ja

Name und Anschrift des Institutes:





Telefon:eMail:


  nein

Name und Anschrift einer zu benachrichtigenden Person:





Telefon:eMail:


K5 Intern O 01   10 a00 111 F


Erklärung:

Ich erkläre hiermit, daß alle Angaben vollständig und richtig sind und daß ich für diese haftbar gemacht werden kann.




Ort, Datum, eigenhändige Unterschrift Antragsteller oder gesetzlicher Vertreter


Bemerkung (wird von Behörde ausgefüllt):

Diesem Antrag wurde

   stattgegeben

   nicht stattgegeben, siehe Rechtsbehelfsbelehrung Rückseite




Ort, Datum, Stempel, Bearbeiter (Nr/Kürzel)


Dieses Dokument bitte sorgfältig aufbewahren und mitführen!
 

08.01.2006

Kurzes:

06.12.05: Kultur, Köln:
Hanns Dieter Hüsch gestorben.
Google-Anzeigen:
- Bestattungen ab 569 €
- Ideale Bestattungsvorsorge.
Nächste Nachricht:
Rolling Stones kommen!
Schnell Tickets sichern!


Neger:

Um besonders gemein zu sein, sperrt man Menschen am besten mit weniger als Brot und Wasser ein, bejaucht sie Tag und Nacht mit Partymusik, Schicky-Micky-Werbung und Urlaubsfilmen.

Genau das wird im globalen Maßstab gemacht. - Welch' Glück, wenigstens ein besserer Neger zu sein. Geht halt nicht anders, die Rohstoffpreise müssen niedrig bleiben, sonst geht es auch uns schlechter.


Kompakt von Arne:
mahnende geste

glatte buegelsteine
hat man
gerade geworfen
ins landesherz
plumps!
da stehen sie schief
und plaetten
des volkes gewissen
fuer alle zeit
faltenfrei

& heil!

© Arne-Wigand Baganz 2005

Verbose von Zacke:
Das Mahnmal:

Es nimmt uns ab
was uns belastet.
Trägt täglich
von 10 bis 20 Uhr
außer montags
an seinem Gewicht
aus Mauergußmasse
Geld und Geschwätz.
Mit Gojlack aus Stahl
drückt es dem Berliner
den Sand und mahnt
bis es versinkt.
Es ist nur für die.
Für die anderen
wird genomweise
auch was Schweres
etwas preiswerter
in den Sand gesetzt.


Weihnachten 2005:

Alle fünf Jahre räume ich meinen Schreibtisch auf. Leider paßte nicht alles in die Ordner. Sie waren schon voll, obwohl ich erst 51 bin. Die Rückseiten der restlichen Dokumente kann ich aber als Schmierpapier benutzen. Ich fand außerdem etwa fünf leere Lohnsteuerkarten, zwei noch im Umschlag.


Verständnis:

Meine Mutter fragte mich ein einziges Mal, was ich werden wollte. Damals war mir das Wort "Intellektueller" noch nicht geläufig und ich antwortete: "Etwas geistiges!" Sie verstand, ich wollte Priester werden und erzählte es allen.


Weil zu wenig Teig,
schiß der Bäcker
die Laugenwecken.
Ähnlich wand er
der Brezeln Kringel.


Jemand war so unglücklich verliebt, daß man ihn als krank bezeichnen konnte. Er ging zum Arzt, doch Ärzte kurieren nur Symptome und keine Liebe. Die Verzweiflung trieb ihn zum Jobcenter. Als Härtefall bekam er einen Job.


 

03.01.2006

Brief an die Aktionäre der Genlisea AG:

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, lassen Sie mich für Sie einen Blick auf die Geschichte unseres heutigen Unternehmens werfen. Einst stand unser Stammhaus, das Kommunale Altersheim Dauchingen, kurz vor dem unausweichlichen Aus. Durch kluge Planung und mit Hilfe von Schenkungen gelang es, eine AG zu gründen. Zuerst verloren die Aktien zwar an Wert, doch durch den Zukauf des Weilersbacher Altersheimes konnte diese Entwicklung gestoppt werden. Durch den Erwerb weiterer benachbarter Einrichtungen übertraf die Aktie bald ihren Ausgabewert. Nach und nach konnten einzelne Einrichtungen in größeren Städten übernommen werden. Bielefeld, Stuttgart, München, Berlin, Geislingen und viele mehr. Durch unsere Bemühungen wurden defizitäre Betriebe in zuverlässige Ertragsbringer überführt. Bald war Genlisea europaweit der größte Betreiber von Heimplätzen für Senioren.

Diesen Erfolg verdanken wir der konsequenten Anwendung des neusten betriebswirtschaftlichen Knowhows. Die anfänglich vertragliche Verweildauer von vier Jahren wurde auf heute drei Jahre verringert. Um das Angebot weiterhin attraktiv zu halten, wurden die Sätze für die Nachzahlungen ebenfalls gesenkt. Nach wie vor ist die operative Marke des statistischen Mittelwertes der Verweildauer für uns von größter Bedeutung. Deren Optimum liegt bei ungefähr einem Jahr. Der aktuelle Wert ist immer noch gut doppelt so hoch. Diese rein betriebstechnischen Zahlen sagen natürlich nichts über die tatsächliche Verweildauer eines Individuums aus. Bei uns ist jeder in besten Händen.

Um Ihnen eine kontinuierlich wachsende Dividende garantieren zu können, haben wir unser Geschäftsfeld beständig erweitert. Es folgten nicht nur First Class Luxus-Angebote in klimatisch günstigen Gebieten, die nicht nur bei Ihnen als Aktionäre guten Zuspruch fanden. Wir waren selber überrascht, wie viel Geld manche Menschen für ihren Lebensabend auszugeben bereit sind. Wir haben uns bald vom Konzept, ausschließlich Altersheime zu betreiben, verabschiedet. Es lag nahe, Krankenhäuser, Hospize und andere Versorgungs- und Betreuungseinrichtungen zu erwerben, anzupassen und in unsere Betriebsabläufe einzugliedern. Die Übernahme von Friedhöfen und Krematorien ergab sich fast von selbst und bereitete keine Schwierigkeiten. Es gelang uns aber auch, die wichtigsten Bereiche der Verwaltung von Kirchen aller Konfessionen zu übernehmen. Wir stellen seither Priester und Priesterinnen in Eigenregie ein. Wir betreuen das seelische Heil unserer Kunden und veranstalten regelmäßig religiöse Events. Wir konnten den gesamten Bestand konfessioneller Kinderbetreuung übernehmen und auf den neusten pädagogischen Stand bringen, da wir auf diesen Gebiet bereits erfolgreich tätig waren. Von da an war es nur noch eine Frage der Zeit, im Bildungssystem Fuß zu fassen. Doch damals war noch unvorstellbar, daß Genlisea bis auf die Ausnahme einiger weniger privater Universitäten einmal dessen alleiniger Träger sein wird.

Im Rückblick ist es schwierig, die Entwicklung der Genlisea AG in einer zeitlich korrekten Abfolge dazustellen. Vieles geschah gleichzeitig. Die Übernahme von Berufts- und Hochschulbildung legte es nahe, auch im Bereich der Freizeitangebote tätig zu werden. Bekanntlich sind wir auch da führend. Mit dem Aufkauf sämtlicher Zulieferer für unsere Dienstleistungen sind wir fast unbemerkt zum alleinigen Eigentümer der noch verbliebenen Produktion von Gebrauchsgütern geworden. Wir sind weltweit der größte Arbeitgeber und wir suchen nicht nur für unser Management die besten Köpfe. Dem Trend, manuelle und teuere Arbeit auszusourcen, konnten wir uns nicht ganz entziehen. Wir sahen uns jedoch veranlaßt, anspruchsvolle Bereiche zurückzusourcen.

Mittlerweile sind wir in der Lage, Angebote für einen ganzen Lebenszyklus zu offerieren. Wer über die Mittel verfügt, kann für seine Kinder ein komplett versorgtes Leben kaufen. Von der Wiege bis zur Bahre, vom Kindergarten über Schule, Ausbildung, Beruf und Freizeit bis zum Seniorenheim mit Bestattung und Grabpflege ist alles im Voraus geregelt. Auch dieses Angebot dürfe für Sie als Aktionäre besonders interessant sein. Beachten Sie das beiliegende Informationsmaterial mit den Ihnen gewährten Sonderkonditionen. Ihre Kinder erwartet ein abgesichertes, geregeltes, sorgloses Leben. Gönnen Sie es ihnen.

Wir streben an, dieses All Inclusive Paket, bald in einer kostengünstigeren Variante anzubieten. In jedem Bereich läßt sich einsparen. Für die meisten Menschen genügt ein viel niedrigeres Niveau an Bildung, gesundheitliche Versorgung, Beschäftigung und Freizeitangeboten.

Um unsere Ziele noch besser zu erreichen, haben wir beschlossen, Ihnen dieses Jahr eine maßvolle Dividende zukommen zu lassen. Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und für das Vertrauen, das Sie der Genlisea Aktiengesellschaft entgegengebringen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Dr. Oser A. Sonnentau
(Vorsitzender des GAG-Vorstandes)


 

07.01.2006

Baßstadt-Festival:

Dieses besondere Ereignis erfreut sich wachsender Beliebtheit, obwohl es vom kleinen Straßenfest bis zu Großveranstaltungen wie "Karneval der Kulturen" oder "Christopher Street Day" an sich jede Menge Konkurrenz gibt. Das Baßstadt-Festival ist ebenfalls eine Reise wert und wird Ihnen als unvergeßliches Erlebnis in Erinnerung bleiben.

Wie alle gut angenommenen Veranstaltungen ist es aus privaten Initiativen entstanden und deshalb fest im Kiez verwurzelt. Es findet alljährlich im Sommer bei gutem Wetter und inzwischen beinahe in ganz Berlin statt. Den kurzfristig angesetzten Termin entnehmen Sie bitte unseren lokalen Medien.

Es gibt keinen Umzug und kein Programm, somit kann man nichts versäumen. Wenn es Ihnen irgendwo nicht gefällt, gehen Sie einfach ein paar Schritte zur nächsten Baßstadt-Feier weiter. Vielleicht bereitet Ihnen das sogenannte Baßstadt-Hopping sogar eine besondere Freude. Dieses Festival trägt nicht unerheblich dazu bei, daß die Berliner ihre Wohnumgebung besser kennenlernen. Für manche ist es zum Sport geworden, an möglichst vielen Stellen gewesen zu sein. Doch das verkehrt den zwanglosen Wohlfühlcharakter des Festivals in's Gegenteil.

Das wichtigste sind die Basser. Genau genommen sind es die Baßverstärkeranlagen, denn ohne diese könnte man nicht viel hören. Für das leibliche Wohl, für Getränke und Toiletten ist bestens gesorgt. Mit jedem Getränk erhalten sie einen übertragbaren Kunststoffchip für's Klo. Die Stände sind mit Girlanden dekoriert. Die Bedienkräfte tragen eine kleine Baßguitarre als Anstecker. Ohranhänger wurden letztes Jahr ebenfalls gesichtet. Diese Devotionalien können Sie natürlich als Souvenir erwerben. Neben den hauptstadteigenen Brauereien treten internationale Hersteller von Musikinstrumenten und Equipement als Sponsoren in Erscheinung. Sie stellen ihre Logos und Aufkleber für dekorative Zwecke zur Verfügung.

Die meisten Basser sehen wie arbeitslose Studienabbrecher aus. Instrument und Anlage gehören ihnen meistens nicht und sie müssen nicht wirklich spielen können. Niemand will an so einem Tag ein anstrengendes Baßsolo hören. Darum geht es nicht. Die Kunst besteht einzig darin, die Töne schön ausklingen zu lassen und den Tremulant-Effekt richtig einzustellen. Besonders gelungene Töne dürfen und müssen ständig wiederholt werden. Wenn die Feiernden in Stimmung sind, wird nach jeden Ton applaudiert und gejohlt. Vor jeden Ton wird angefeuert.

Wenn das Tremulant richtig eingestellt ist, spürt man die Modulationsfrequenz im Boden, die Boxen der Anlage schwanken sanft und das Bier schaukelt im Rhythmus des an- und abschwellenden Tones. Wer zu nahe bei den Lautsprecherboxen steht, muß unwillkürlich furzen.


 

09.01.2006

Der Krankenwagen:

Ein deutlich übergewichtiges Mädel steht am Straßenrand und versucht zu trampen. Lange Zeit hält kein Auto an. Irgend wann, als sie bereits einen Teil ihres Weges zurückgelegt hat, rauscht ein schäbiger Krankenwagen vorbei, bremst hart und rollt ihr langsam rückwärts entgegen.

Der anschließede Standard-Dialog geht ungefähr so:

"Wo willste hin?" - "Wo Du lang fährst, bis zur nächsten Stadt. Kannst mich am Ortschild rauslassen. Muß meistens laufen, hält ja keiner an!" - "Ich kann Dich noch weiter fahren, ich hab Zeit!" - "Komm' steig ein!"

"Sag mal, warum hälst Du wegen mir und ist die Karre echt, haste die wo geklaut?" - "Die war mal echt. Hab ich gebraucht abstauben können. Am Anfang ging das Baulicht noch, mußte nur wieder angeschlossen werden. Jetzt ist es im Eimer, wie alles andere." - "Und warum haste angehalten?" - "Weil Du es bist! Du wolltest doch mit, oder nicht?" - "Es hält selten einer an. Die sagen alle, die dicke Kuh soll paar Pfunde ablaufen, tut ihr gut!" - "Du bist doch nicht dick! Ich hab schon dickere mitgenommen. Solange die hier reinpassen, geht es noch. Außerdem hast Du ein nettes Gesicht und eine angenehme Stimme, vielleicht kannst Du gut singen."

Das Mädel dreht sich um und sieht die Trage.

"Ich kann nicht singen, fahr' mal los, bevor wir uns festquatschen. Kannst mir Deine Nummer geben." - "Sorry, ich hab nur dieses blöde Funkgerät hier. Darüber unterhalte ich mich manchmal mit nem Kumpel. Willste hören? ... Mist! Geht mal wieder nicht!" - "Fahr' jetzt, falls die Kiste das mit zwei drin noch schafft!" - "Willste 'n Bier? In dem Sixpack bei Deinen Füßen müßte noch was drin sein. Ich darf leider nicht mittrinken, wenn ich fahren muß."

Er fährt vorsichtig an, das Mädel kommt nicht an die Flaschen, weil es zu eng ist. Er angelt ihre eine Pulle. Ohne hinsehen zu müssen, öffnet er diese an einer Kante des Armaturenbrettes.

"Fühl' Dich wie zu Hause. Ich wohne sowieso hier." - "Was? Ist ja irre! Schläftst Du etwa auf der Trage?" - "Exactly! My Krankenwagen is a Castle!" - "Du bist also irgendwie obdachlos! Na dann prost!"

Ungefähr ab hier kann die Geschichte nicht mehr mit dem Standard-Dialog weiter erzählt werden. Das Bier enthält zusätzliche Narkotika. Zuerst werden die Mädels zutraulicher. Der Fahrer hält an. Sie steigt aus. Er öffnet die hintere Klappe, sie kriecht freiwillig auf die Trage. Er muß stützen und hieven. Das Auto schaukelt. Die Stoßdämpfer sind alt. Die Wirkung des Bieres ist so stark, daß sie sofort einschläft. Er schnallt sie an, schließt die Klappe und meldet sich bei der Zentrale.

"Ich habe wieder eine, relativ schwer! Bin bin nicht weit weg. Vielleicht zehn Minuten!"

Er gibt richtig Gas, mit Blaulicht und Tatütata. Der Motor hat extra paar PS mehr.

Ein ferngesteuertes Gatter öffnet sich. Er prescht auf den Hof. Vier stakige Männer, die wie Bäckergehilfen aussehen, kommen mit einer leeren Trage angetrabt. Sie reißen die Klappe auf und eilen mit dem Mädel in den OP zum Fettabsaugen. Der Fahrer schiebt die neue Trage rein. Sie hakt ein wenig. Nun gibt es nichts mehr für ihn zu tun. Er zottelt wieder los. Das Gatter schließt.


 

15.01.2006

Der Neunland-Baum vom Überlingen:

Ich wollte wissen, was es mit dem Neun-Länder-Baum auf sich hat. Ich fragte rum. Niemand wollte mir etwas erzählen. Angeblich hatte keiner jemals davon gehört. Der Vorsitzende des Überlinger Wandervereins schickte mich zum Wanderabzeichen-Hans. Dieser machte einen mehr als kauzigen Eindruck und leugnete, von irgendwas Bescheid zu wissen, was nicht jeder sowieso weiß.

Ich hasse Wanderungen und Vereine, und in Überlingen war ich nur wegen diesem blöden Baum. Ich starrte alle möglichen Bäume an, doch es waren ganz normale. Schließlich kam ich mit Hans etwas besser in's Gespräch, nachdem wir uns in aller Ausführlichkeit über Hutanstecknadeln aus bekannten und weniger bekannten Wandergebieten und über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Systeme der Wegemarkierung unterhalten hatten. Er fragte, ob ich den Baum morgen früh sehen wolle. Man müsse eben die Vertrauenswürdigkeit einer Person prüfen, bevor man solche Dinge weitererzählt.

Als ich vor dem Baum stand, war es ein Exemplar der hier weit verbreiteten Wasser-Zwetschge (prunus saba), die im Garten einer Brennerei wuchs. Man hielt mich jedoch davon ab, die letzten Meter heranzutreten. Dafür gab es einen exzellenten Schluck.

"Prost auf Deine Ufos! Du hast Glück, daß Du aus Berlin bist! Berliner haben ein gewisses Recht, das Geheimnis des Baumes zu erfahren. Anderen erzählen wir nichts! Nochmal Prost! - Ist Dir als Berliner schonmal was aufgefallen, wenn Du das Wort Ü-Berlin-gen in den Mund genommen hast?"

Ich hätte beinahe verneint, was womöglich verkehrt gewesen wäre. Ich ahnte nicht, worauf Hans und die anderen hinaus wollten.

"Hör mal zu! Wir sind hier sozusagen im Exil, auch wenn das alles verdammt lange her ist. Irgend so ein Depp von Euch hat ausgerechnet hier seinen Schrebergarten aufgemacht und irgendwann war's ne größere Kolonie. Weil hier nix los ist, haben die zuerst nur aus Langeweile ein paar Hütten auf Pfählen in's Wasser gebaut. Das hat schon damals viele Neugierige in diese abgelegene Gegend gelockt. Heute sind diese Fantasielauben immer noch eine der wichtigsten touristischen Attraktionen des Bodensees. Wir haben sie irgendwann nach Unteruhldingen verkauft, weil uns der Trubel zuviel wurde. Glaub mir, in den Pfahlbauten hat nie einer gelebt! Prost!"

Weiter erfuhr ich, daß für die Menschen der Neusteinzeit der Neunland-Baum viel wichtiger war, als dieses Geisterdorf auf dem Wasser. Es gab sehr viele solche Bäume, die als heilig galten.

Endlich ließ man mich näher treten. Ich sollte dies aber langsam tun und wenn ich nichts merke, solle ich nochmal einige Schritte rückwärts machen und mich erneut langsam nähern. Das taten fast alle mehrmals. Es mußte recht komisch ausgesehen haben. Einer nach dem anderen rief: "Scheeeee! ... Scheee! ... Scheeheeeee!" Vermutlich ist dies eine uralte Beschwörungsformel, die aufgrund ihrer Einfachheit bis in unsere moderne Zeit überliefert wurde. Ähnliche Rufe hatte ich zuletzt in einem Radiobericht aus Stuttgart über eine Sonnenfinsternis gehört.

Ich schielte auf den Baum, was dem großzügig verabreichten Getränk geschuldet sein mochte und wollte meinen Augen nicht trauen. Zwischen den Ästen der Zwetschge sah ich verschiedene Szenerien, die nicht hierher, sondern zu anderen Orten gehören mußten. Leider erkannte ich nur das Frankfurter Tor im Berliner Bezirk Friedrichshain. Was ich sonst noch sah, wußte ich nicht.

Hans meinte: "Du darfsch bloß net de Himmel ogucke. Muscht immer beim Stamm durch die Äscht schaue. Nain Länder sind's net immer. Proscht!"

Link: Webcam, Pfahlbauten Unteruhldingen


 

16.01.2006

Im SynerShop:

‹‹ Hi Tracy! Schon wieder hier? Warst doch erst letzte Woche da und der Hedge steht Dir noch gut!››

‹‹ Bringt aber nichts, keinen Erfolg und ich fühle mich nicht wohl. In paar Tagen werden alle damit rumlaufen. Dann sitzen alle die jetzt den Hollow haben als Hedgy in der Lounge rum. Ich brauche was anderes.››

‹‹ Wie wäre es damit?››

‹‹ Kannst mal die Cam anmachen? Ich will sehen wie das mit mir aussieht! ... Ich glaube, das ist es noch nicht.››

‹‹ OK, klick Dich in aller Ruhe durch. Ich mach solange bei jemand anderes weiter. Dein Bild ist eh noch im Speicher. Slave wird Dir schonmal die Haare entfärben und das Perm Makeup wegpeelen.››

‹‹ Geht dabei die Brille wieder kaputt, wenn sie naß wird?››

‹‹ Wir haben jetzt bessere! Bis gleich.››

...

‹‹ Hast was gefunden?››

‹‹ Ja, paar Sachen, aber ...››

‹‹ Was aber? Gefällt Dir nichts?››

‹‹ Doch, sind wieder total coole Sachen bei. Aber kannst Du nicht mal was machen, was es noch nicht gibt, nur für mich?››

‹‹ Würde ich gerne, nur das dauert zu lange. Du siehst ja wie viele in der Lounge warten, um dran zu kommen. Außerdem hast Du bestimmt nicht so viel Knete. Wird teuer, wenn man alles neu conceptet.››

‹‹ Du könntest es doch für mich passend machen, so wie ich bin. Vielleicht werde ich der neuste Style und Du wirst berühmt.››

‹‹ Geht jetzt nicht, vielleicht mal irgendwann. - Für was hast Du Dich nun entschieden?››

‹‹ Ich würde sagen, wenn ich mir was aussuchen muß, dann Slice!››

‹‹ OK, aber zum Slice Head passen Deine Schuhe nicht, das kommt dann noch dazu, damit das Personality Design orginal rüberkommt. Ich sehe gerade, ein Mental Training Audio ist auch noch dabei. Es kostet halt mehr, was besonderes zu sein. Willst Du das?››

‹‹ Wenn nicht nächste Woche alle mit Slice in der Lounge sitzen, dann ja!››

‹‹ Gibt es irgendwas, das man heute noch garantieren kann?››

...

‹‹ Fertig! Spiegel oder Kamera? Sieht gut aus, nicht?... Wie fühlst Du Dich?››

‹‹ Echt cool, MHD! Du kannst es eben besser als anderswo. Kommst Du nachher in die Lounge?››

‹‹ Würde ich gerne, geht jetzt nicht. Hatte vorhin Pause... Denk an die Schuhe und mach mit dem Training noch ein zwei Tage weiter. Du wirst es! Slice liegt Dir! Es gibt noch nicht viele davon!››

‹‹ Wie viele???››

‹‹ Weniger als ne Million!››

‹‹ Hier oder global?!››

‹‹ Global natürlich! - Wir sind ein exclusiver Laden!!››

‹‹ Na dann geht es ... Tschüs und Schmatz, war wieder schön mit Dir ... Willst die Schuhe nachher sehen?››

‹‹ Nee, die kenn ich ...››


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