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| Zackes Textedition 21:
Erstmals unter Linux entstanden. Um Textfluß und Layout zu kontollieren, benutze
ich Mozilla-Firefox als plattformübergreifenden Browser und den IE 6.0 unter Wine. Trotzdem
werden Schriften und Umbrüche auf Linuxrechnern am besten aussehen. Der W3-Standard geht
eh am Design vorbei. Es soll alles auf einem Handy und auf einem 26'er Monitor gleich aussehen.
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03.01.2005
Safer-Cyber-Sex:
Der Umgang der Menschen ist funktional. Die Familie ist auf die kleinst mögliche
Einheit reduziert. Ein Erwachsener, ein Kind. Arbeit und Freizeit und oft eine nicht klar
definierte Mischung aus beidem, findet für die überwiegende Mehrzahl zu Hause statt.
Nicht jeder weiß, ob sein Dasein als produktiv gilt. Man kennt ein paar Menschen aus der
Umgebung und die Lieferanten. Unterwegs verliert man sich selbst in der Menge.
Niemand findet etwas dabei, sich vor seiner Webcam auszuziehen. Manche bieten einen Live-Stream an,
halten aber Video-Sequenzen für die Zeit ihrer Abwesenheit vor. Selbst Sexmuffel haben
wenigstens ein Anstands-Video auf ihrer Homepage, um niemand vor den Kopf zu stoßen. Die
meisten Menschen versuchen, mit zusätzlichen, mehr oder weniger gekonnt gestalteten Galerien,
sich als besonders begehrenswert zu empfehlen. Manche Homepages bestehen aus nichts anderem. Dies
nennt man den SCS-Level Null.
Für SCS-Eins benötigt man ein Mindestmaß an Software und einen Satz
Kontakt-Elektroden, die über ein USB-Interface angeschlossen werden, sofern der Rechner
über keine SCS-Steckkarte mit entsprechenden Buchsen verfügt. Dabei kommen schwache
hochfrequente Ströme zur Anwendung, wie sie ähnlich zu Therapiezwecken eingesetzt werden.
Früher soll es gelegentlich tödliche Unfälle gegeben haben.
Auf Level SCS-Eins begnügt man sich damit, die Homepages der anderen aufzusuchen. Gefällt
die Seite, läßt man sich von der Software im Auto-Modus stimulieren. Teuerere Programme
können vom Anwender interaktiv gesteuert werden.
Für den Level SCS-Zwei ist eine anonyme Kontaktaufnahme erforderlich und mindestens zwei
Teilnehmer müssen gleichzeitig online sein. Hier gibt es mehre Möglichkeiten. Man
begnügt sich mit aufgezeichneten Bilddaten oder man erscheint als Live-Stream auf dem
Monitor des anderen. Dies kann entweder öffentlich für jeden zugänglich oder
über eine nicht öffentliche Verbindung geschehen. Der Thrill ist jeweils ein völlig
anderer. Die Stimulation wird wechselseitig interaktiv gesteuert. Die neuste Version des
Übertragungs-Protokolles für SCS gestattet, daß sich weitere Teilnehmer sowohl
anonym passiv, als auch anonym aktiv in die bereits aufgebaute SCS-Session einloggen.
SCS-Level-III bietet die gleichen Möglichkeiten wie SCS-II. Der Einzige Unterschied besteht
darin, daß die Teilnehmer ihre Anonymität preisgeben. Dies ermöglicht mehr oder
weniger andauernde Beziehungen und wird von den meisten Menschen als etwas völlig anderes als
SCS-II empfunden, obwohl aus technischer Sich kein wesentlicher Unterschied besteht. Die Bedeutung
der menschliche Psyche sollte eben niemals unterschätzt werden.
Level SCS-IV stellt hohe Anforderungen an das technische Knowhow der Teilnehmer, bietet dafür
aber die meisten Möglichkeiten. Alle Features der schon beschriebenen niedrigeren Level
können mit SCS-IV kombiniert werden. Das Wesentliche sind die frei gestaltbaren 3D-Modelle und
deren nicht übertreffbare Realitätstreue. Für den Avatar des virtuellen oder
wirklichen Partners können beliebige Daten verwendet werden. Es können die Stills oder
Streams von dessen Homepage sein. Desgleichen gibt es vordesignte Modelle und fertige Avatare zur
Auswahl. Wenn in diese zu wenig interaktive Datenströme eingehen, schaltet der Rechner die
Session meist unbemerkt auf Level Eins bis Null zurück. Das ist nach dem SCS-Protokoll so
geregelt.
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03.01.2005
Der Wichsaffe:
Es war einmal ein Affe, der wichste viel. Den Zoo-Besuchern schien diese Darbietung
besonders zu gefallen. Ständig bildeten sich große Trauben von Menschen vor dem
Käfig und selbst wenn er irgendwo im Freigehege wichste, suchten die Menschen mit
Ferngläsern nach ihm.
Einst hatte er so gut wie alle Weibchen geschwängert, die nun die Pille bekamen und von dieser
mehr oder weniger uninteressiert geworden waren. So fand er zu seiner neuen Beschäftigung.
Eines Tages sprach sich diese Attraktion des Tierparks bis zum Direktor durch. Der dachte eine
Weile nach und wies den Pfleger an, dem Affen Shorts zu verpassen. Zwar war dieses
Kleidungsstück mit einem Gürtel versehen und dieser durch ein Vorhängeschloß
gesichert, doch der Affe zerriß die Hose, legte einen meisterlichen Schiß hin und wichste
weiter.
Der Direktor mußte erneut überlegen. Den Affen zu kastrieren verwarf er bald. Vielleicht
wird seine offenbar starke Fortpflanzungskraft eines Tage gebraucht und Affen leben manchmal
länger als normale Menschen.
So bekam der Affe schließlich einen eigenen Käfig, fernab vom Publikum und von seinen
Artgenossen, mit Ausblick auf ein eigenes, kleines Gehege, in dem ein einzelner Baum stand. Da der
Affe nun weder Affen-Weibchen noch bewundernde Besucherinnen sah, ließ sein Trieb etwas nach.
Schließlich hörte er mit dem Wichsen auf und begann über sein Dasein zu
philosophieren:
"Der Baum in der Mitte sieht wunderschön aus. Eigentlich ist mein Gehege ein Abbild der Welt.
Ein Stück Erde mit einem Baum und oben scheint die Sonne."
Jedenfalls dachte er an sonnigen Tagen so, war weise und zufrieden.
Eines Tages vergaß sein Pfleger den Gartenschlauch, aus dem nun kein Wasser mehr kam.
Dafür lag er säuberlich aufgerollt da. Der Affe begriff sofort die Tragweite dieser
Veränderung seiner gewohnten Umgebung.
Vom Baum aus konnte er mühelos auf den Zaun um sein Gehege springen und darauf umherlaufen.
Leider konnte er auf der anderen Seite nicht hinunter klettern, da es nichts zum Festhalten gab,
oder weil seine Arme für so eine Aktion zu kurz waren. Sich einfach hinunter fallen zu lassen,
getraute er sich nicht. Außerdem hätte er so nicht mehr in sein Heim zurückkehren
können. Von da an müßte er selber für seine Nahrung sorgen und wenn es kalt
ist, würde niemand für ihn heizen. Zumindest kannte er dort draußen niemanden.
Doch den Schlauch könnte er am Baum festbinden und wie ein Lasso über den Zaun
schmeißen. Danach müßte er nur auf den Zaun springen und sich an dem so schön
glatten Schlauch langsam nach unten gleiten lassen. Diese Vorstellung erinnerte ihn an seine
frühere Hauptbeschäftigung. Er probierte, ob er es noch kann. Es klappte mehrmals. Danach
fiel im der Schlauch wieder ein, den er schulterte.
Nun stand er damit oben auf dem Baum und überlegte:
"Um mein Gehege ist ein Zaum. Mein Gehege grenzt nicht direkt an ein anderes, doch ich kann ein
Stück weiter eines sehen. Vielleicht ist das dazwischen auch ein Gehege, zum Beispiel für
den Pfleger. Ob es auf der anderen Seite des Gebäudes, in dem sich mein Käfig und der des
Direktors befindet, weitere Gehege gibt, kann ich von meinem Baum aus nicht sehen. Was ist, wenn
die ganze Welt nur aus Gehegen besteht und wenn es nichteinmal überall Bäume gibt? - Und
komme ich hinterher auf dem glatten Schlauch wieder nach oben? Ich bin nicht mehr der
Jüngste!"
Er band das eine Ende nicht am Baum fest, sondern schmiß in Anbetracht seiner ungeklärten
existenz-philosophischen Fragen den Wickel über den Zaun. Dieser rollte sich nichteinmal auf,
als er eine ganze Weil flog. Was er dann tat, kann sich jeder selber denken. Danach klettere er vom
Baum und wartete auf das Abendessen. Die Sonne schien.
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06.01.2005
Dreck:
Über der Dreckfabrik hängen dunkle Wolken, die jedoch meteorologisch bedingt
sind. Die riesige Anlage hat nichtmal einen Kamin. Dafür erkennt man sie von weitem an den
riesigen Ansaugstutzen. Auch innen ist alles sauber. Hier kommt die neuste
High-Tech-Technik zum Einsatz. Mittels mechanischer Molekularspaltung von Kohlendioxid
entsteht aus Luft schwarzer Staub. Das ist die beste Methode, effizient preiswerten Dreck
herzustellen.
Darauf hätte man viel früher kommen sollen. Dieses Glied fehlte bisher im Gaskreislauf
des ökologischen Systemes. Mit solchen Anlagen tun wir nicht nur etwas gegen die drohende
Klimaerwärmung, indem wir das Kohlendioxid in der Luft verringern, sie tun nicht nur den
Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung gut, indem sie die Luft mit neuem Sauerstoff anreichern,
diese Anlagen lösen alle Probleme des Arbeitsmarktes und unserer sozialen Belange.
Nicht nur die Produktion, auch der Handel mit Dreck gewinnt an Bedeutung. Die Börsenkurse
verschiedener Dreckerzeuger lassen manch andere Werte hinter sich. Durch die Übernahme anderer
Firmen gibt es fast keine Produkte mehr, die nicht unter einer Dreckmarke hergestellt werden. Es
ist abzusehen, daß irgendwann mehr Menschen vom Dreck, als von irgendwas anderem leben
werden.
Der Dreck kommt in unterschiedlichen Verpackungseinheiten auf den Markt. Längst hat jeder
neben einer Packung Scheuerpulver eine mit Dreck im Haushalt. Das Sortiment reicht vom kleinen
Streuer über Eimer und Säcke bis hin zu Großsilos mit mehreren Tonnen Inhalt. In
beinahe jeder Stadt gibt es Großhändler. Gleichzeitig sind tausende von Tonnagen per
Sattelschlepper auf den Straßen unterwegs. Mit diesen rollenden Vorratslagern kann jeder noch
so große Bedarf an Dreck befriedigt werden. Nicht ohne Stolz können wir von einer
eigenständigen Dreck-Infrastruktur sprechen.
Das Schöne am Dreck ist nicht nur seine Herstellung und Verbreitung. Um ihn zu entfernen wird
wird ein Vielfaches an Arbeitskräften benötigt. Gibt es eine bessere Jobmaschine? Die
Ratio beträgt im Augenblick ungefähr Eins zu Neunzehn Komma Vier. Dem primären
Bereich von Produktion, Handel und Logistik steht ein sekundärer im öffentlichen und
privaten Dienstleistungs-Sektor mit traumhaften Wachstumsraten gegenüber.
Wie nicht anders zu erwarten war, müssen die um den Umweltschutz besorgten Kollegen schon
wieder alles ziemlich schwarz sehen. Das tun sie diesmal besonders wörtlich. Sie behaupten,
uns droht ein Kohlenstoff-Problem. Doch es gibt genug Menschen, die gerne eine Putzstelle
annehmen, statt unausgelastet an mangelndem Selbstwert zu leiden. Der seelische Schaden, den diese
Personen nehmen, kann nichteinmal dadurch ausgeglichen werden, indem man sie besser bezahlt, als
wenn sie arbeiten würden. Das hat sich eher als die Erkrankung verschlimmernd
herausgestellt.
Wer es zu etwas gebracht hat und selber Chef ist weiß, was für ein erhebendes Gefühl
es ist, wenn man abends als letzter die Räume des Bureaus verläßt und schnell noch
überall Dreck verstreut. Mancher streut nicht nur bis zur untersten Stufe im Treppenhaus,
sofern der Mietvertrag dies zuläßt. Mancher spendet seinen Dreck der Allgemeinheit,
soweit der Streuer reicht. Am nächsten Morgen ist alles blitzesauber.
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07.02.2005
Kurzes
Als ich in's Meer wichste, wuchsen Wale aus meinen Spermien.
Zuerst popele ich mit dem rechten Daumen im rechten Nasenloch,
dann popele ich mit dem linken im linken. Ich komme mir wie zwei Personen vor.
Über meinem Schreibtisch, genauer, genau über meinem
Kopf, hängt eine Pyramide aus Karton. Mit meinen Gedanken kann ich sie schaukeln und in
gewünschte Richtungen drehen.
Man findet mich nach Jahren am PC sitzen. Wir sind beide mit
zahllosen Spinnweben, seltenen Mikro-Organismen und Staubschichten überwachsen. Doch man
sieht, wie ich die Maus bewege und gelegentlich wechselt der Monitor die Farbe. Ich reagiere nicht
auf Anredeversuche.
Er schleppt ein zu großes Herz mit sich rum und muß
es überall hin mitnehmen. Wie ein überbreiter Schwertransport, der nicht überholt
werden kann, tapert er vor sich her.
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26.02.2005
Du wirst flüssig:
Wie oft hast Du geduscht? - Das Wasser ist an Dir heruntergelaufen und Du hast nichts
geahnt. Was solltest Du Dir denken? Was ist das, wo kommt es her, wo geht es hin? Du warst Dir
sicher, daß alles so ist, wie es ist, ohne es genau zu wissen.
Nun hat Dich jemand in den Abfluß gekippt. Du nimmst eine Dir ungewohnte Gestalt an. Du kannst
nichts daran ändern. Du füllst das Abflußrohr aus. Du spürst den schleimigen
Belag des Rohres auf Deiner Haut, sofern das noch Deine Haut ist.
Alles geht verdammt schnell. Vorhin warst Du ziemlich dünn, doch es zieht Dich immer weiter
auseinander. Du kannst nicht viel sehen, es ist dunkel. Die Rohre fühlen sich nicht mehr so
schmierig an, nur das unangenehme Gefühl in Deinem Magen wird nicht besser.
Du versuchst, Dich beisammen zu halten. Inzwischen bist Du ungefähr zwei Meter breit. Ab und
zu wird es von oben hell. Dafür geht es langsamer voran. Ein undefinierbarer Brei bremst Dich
ab. Du wirst zusammengedrückt. Alles staut sich. Es riecht wie im römischen Kolosseum, wo
in dunklen Ecken animalistische Notdürfte verrichtet werden.
Plötzlich bist Du in einer großen Halle. Du hörst Stimmen. Was gesprochen wird,
verstehst Du längst nicht mehr. Der verbliebene Rest Deiner Neugier bringt Dich dazu, stets
oben zu schwimmen und die ganze Fläche auszufüllen. Dafür wird öfter in Dir
herumgestochert.
Endlich hast Du Deine Ruhe. Du schwimmst immer noch oben und läßt los, was Dir zum
Festhalten als zu anstrengend erscheint. Du wirst immer leichter und beweglicher. Du wippst in
sanften Wellen, die der Wind aus Dir macht. Die Sonne Dich erwärmt Dich, das ist sehr
behaglich. Du schwebst. Ein Teil von Dir steigt auf. Du läßt Dich selber los. Du blickst
von oben auf das Wasser hinab. Du siehst von unten zu den Wolken hinauf. Was ist überhaupt
Oben und Unten? Wo bist Du? Wer bist Du? Die Antwort interessiert Dich nicht. Du bist überall
und nirgends. Du bist alles und nichts. Du bist der Regen und das Meer. Du fließt unter der
Erde. Du steigst durch die Pflanzen zum Tageslicht empor. Du kennst alles von innen und von
außen. Was kümmert Dich Gestern, Heute und Morgen?
Schade, daß man nicht immer flüssig bleiben kann.
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01.04.2005
Theresa S.
Ich war einmal ein ganz normaler Mensch, bevor meine Haut immer grüner wurde. Ich
weiß nicht mehr, was damals vor fünfzehn Jahren mit mir geschah. Ich hörte
plötzlich auf zu atmen. Es war einfach so, ich konnte nichts dagegen machen. Ich sah wie die
anderen Menschen in Panik ausbrachen, obwohl ich ein Problem hatte.
Über die Zeit vor diesem Ereignis weiß ich gar nichts mehr. Ich weiß nicht, wer ich
war. Ich weiß nur, daß ich davor auch gelebt habe. Meine Erinnerungen sind mir zum
Greifen nah, nur verstehe ich sie nicht. Sie sprechen in einer fremden Sprache zu mir.
Man brachte mich in dieses Gewächshaus. Nun hängen Schläuche an mir, die mich mit
Wasser und grünem Blut versorgen. Bald wuchs mir das erste Blatt. Das war ungewohnt, aber ich
fühlte mich dadurch lebendig. Heute habe ich ungefähr 35 schöne, große
Blätter und mehrere kleinere.
Manchmal steht das Fenster offen. Ich rieche mir eigentümlich vertraute Botschaften. Mir ist
es so, als ob ich mich daran erinnere, wie ich einmal mit beiden Händen in lockere Erde
faßte, sie aufhob und mit dem Gesicht ganz nah heran ging, um einen tiefen Atemzug dieses
wunderbaren Duftes zu nehmen. Manche Nachrichten sind von sehr weit weg zu mir herbeigeeilt. Alles
ist weit weg. Ich kann mich keinen Millimeter von hier bewegen.
Ich würde mich gerne draußen zusammen mit den anderen Pflanzen im Wind wiegen und still
sein. Doch niemand kann mir sagen, ob ich immer hier drinnen bleiben muß und wie lange das
dauert.
Zu dieser Geschichte:
Sie ist Terri Schiavo und allen Menschen in ähnlichen Situationen gewidmet. Diese als Theresa
Schindler geborene Frau wurde durch die Medien sehr bekannt, da sie seit 15 Jahren im Wachkoma lag.
Ihr Ehemann setzte den Abbruch der künstlicher Ernährung durch, ihre Eltern kämpften
verzweifelt um ihr Weiterleben. Unabhängig davon, ob Frau Schiavo sterben wollte oder nicht,
zeigt sie uns, wie sehr wir im schlimmsten Fall unseren doch stets das Beste wollenden Mitmenschen
ausgeliefert sind. Der Wunsch eines unheilbar Kranken, lieber in Würde zu sterben, wird oft
genauso verweigert, wie das Existenzrecht eines jeden Lebewesens, unabhängig von dessen
Bewußtsein. Fische spüren keinen Schmerz, hieß es noch vor wenigen Jahren und sie
werden weiterhin lebend verarbeitet. Schwerkranke erhalten nicht immer den bestmöglichen
palliativen Beistand, oft aus Angst, dem Drogenmißbrauch Vorschub zu leisten. Auf den
Vergleich von menschlichem mit tierischem Leid wird empört reagiert, zugleich behandelt man
wehrlose Menschen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten wie Material. Wer das nicht glaubt,
besuche ein typisches deutsches Altersheim.
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05.04.2005
The End of the World:
Es wird ein ganz normaler Tag ohne besondere vorherige Hinweise sein. Niemand hat mit
außergewöhnlichen Vorfällen gerechnet. Zuerst werden sich sich nur wenige der
Bedeutung dessen bewußt sein, was gerade vor sich geht. Jeder wird die Situation am Anfang
zwar als ärgerlich, aber nur als sein individuelles Problem betrachten. Mit Rechnern gibt es
öfter Probleme.
Dieser scheint ganz normal hochzufahren. Nur wer keinen Startbildschirm verwendet erkennt sehr
schnell, daß es sich bei den Meldungen nicht um den Vorgang handelt, der normalerweise beim
Booten stattfindet. Es erscheinen unverständliche Meldungen. Sinnlose Zahlen und Texte rasen
immer schneller über den Monitor.
Es sieht so aus, als ob ein unendlich langes Band abgespult würde. Selbst wenn man den Rechner
abwürgt, um ihn erneut zu starten, bleibt es dabei. Beim Zuschauen bekommt man nach einer
Weile ein Gespühr für die Panik des freien Falles, besonders vor einem größeren
Display.
Irgendwann bemerken die meisten, daß nicht nur mit dem Rechner etwas nicht stimmt. Kein
Telefon funktioniert, die Klima-Anlage hat sich verabschiedet und bei manchem geht nicht einmal der
Kühlschrank. Kaum ein Auto springt an. Es funktionieren nur ganz einfache elektrische oder
rein mechanische Geräte.
Schienenfahrzeuge bleiben entweder sofort stehen oder rasen irgendwann gegen Hindernisse. Flugzeuge
fallen wie Steine vom Himmel oder können nicht landen, wenn sie Glück haben. Der
Kapitän eines Interkontinental-Fluges tritt vor die Fluggäste und gesteht, daß
nicht nur die Anlage mit den Playbacks für seine Durchsagen ausgefallen ist. Er kann leider
nichts mehr machen, nun brennt nur noch der Treibstoff bis er alle ist.
Das öffentliche Leben bricht rasch zusammen. Wie durch ein Wunder gibt es Zeitungen, doch die
sind bekanntlich aus Papier oder Folie und diesmal miserabel gedruckt. Vielleicht hat man alte
Setz- und Druckmaschinen aus Museen geholt.
Ein anonymer Schreiber, welcher der Regierung nahe stehen soll erklärt, es wäre technisch
gar nicht möglich, daß sich jemand weltweit Zugriff auf sämtliche Computer
verschafft. Dieser Eindruck entstehe in Ballungszentren, wo es besonders viele Bureaus gibt. Am
besten solle man den Rechner ausgeschaltet lassen und nicht zu lange auf die Anzeige starren, falls
das Problem auftritt. Sensible Personen werden davon unnötig verunsichert.
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| © Designed and written by Zacke.
April 2005. |
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