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1778-1852

Wenn man vom Hermannplatz kommt und den Volkspark Hasenheide über den Nordeingang entriert, läuft man direkt auf das Mahnmal zu.

Friendrich Ludwig Jahn wurde am 11.8.1778 in Lanz bei Perleberg geboren und starb am 15.10.1852 in Freyburg an der Unstrut. Somit hat er sich nicht all zu weit von unserer Stadt entfernt und verdient einen Ehrenplatz im Berlin-Guide. Unweit des Ortes, wo er anno 1811 den ersten Turnplatz der Welt eingerichtet hat, wird heute noch Fußball gespielt. Dies geschieht freiwillig und völlig unorganisiert, aber friedlich und diszipliniert, so daß Herr Jahn an diesem Treiben sicher seine Freude hätte. Er hat stets die Volkstümlichkeit des Turnens gefordern. Tanz und Spiel gehörten für ihn gleichermaßen dazu.

Heute steht Herr Jahn zu Bronze erstarrt auf einer kleinen Anhöhe. Diese wird im oberen Teil von einer Mauer eingefaßt, die aus Ehrensteinen besteht. Eine Auswahl sehen wir hier. Deutsche trugen ihre Begeisterung für Jahn's Ideen in alle Welt. Vielleicht einer der wenigen relativ harmlosen Versuche, die Welt zu beglücken. Der Erstarrte verstand sein Anliegen durchaus politisch. An seiner Zeit gemessen, kann man ihn zu den fortschrittlichen Geistern zählen. Inwieweit diese Beurteilung heute aufrecht erhalten werden kann, mag man selber beurteilen. Doch darf man ihn keinesfalls für die Auswüchse seiner Ideen verantwortlich machen. Man denke nur mal an den sexuellen Leistungswahn, der bei vielen Männern zu Gefühlen von Minderwertigkeit und Haß auf andere führt. So entsteht viel Ungemach im Zusammenleben der Menschen.


Turnen mag damals manchem suspekt erschienen sein, war doch körperliche Ertüchtigung bis dato ein Metier der Militärs ("schöner sterben"). Zur wirklichen Revolte gegen das Alte fehlte jedoch die Einbeziehung des weiblichen Geschlechts und die napoleonische Fremdherrschaft stellte ein drängenderes Problem dar. Aus dem Turner Jahn wurde zeitweilig selbst ein Militär und ein Politiker.

1810 war er Mitbegründer des Deutschen Bundes. Gegen Napoleon verfaßte er Aufrufe, war an der Aufstellung des Lützowschen Freicorps aus Studenten und Turnern beteiligt und wurde dessen Batallionskommandeur. Am Sieg über Napoleon wirkte er als Sonderbeauftragter des Freiherrn vom Stein mit. Später kämpfte er im zivilen Leben für die deutsche Einheit in einem Rechtsstaat mit einer Verfassung. 1815 kam es zur Gründung der deutschen Burschenschaft, die sich auf ihn berief. Seine Gegner entfachten die "Turnerfehde" gegen ihn. Ende 1817 wurde das Turnen untersagt. 1819 wurde er verhaftet und kam 1825 zwar frei, stand aber weitere Jahre unter Polizeiaufsicht. Erst in den 40'er Jahren wurde das Turnen in seinem Sinne wieder gestattet. 1848 engagierte er sich noch einmal und wurde Abgeordneter im Frankfurter Parlament. Nun setzte er sich, im Gegensatz zu der Bewegung, die er losgetreten hatte, vielleicht mit der Einsicht des Alters, mehr für Ruhe und Ordnung, als für Umsturz ein.

Jene respektlosen Motherfucker, die sein Denkmal beschmieren und beschädigen, sind mit ihm verglichen winzige Krümel. Das Monument, vor dem wir hier stehen, wurde zum fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des Jahnschen Turnplatzes in der Hasenheide errichtet und mit Spendengeldern finanziert. Die 139 Gedenksteine sind politischer und cooler als dies Eure Tags und Euer Pimpergehabe je sein könnten.


Links:

• Luise-Berlin
• Wikipedia
• Gymmedia
• Jahn-Museum

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