Falls Dich die Tabulaturen nicht geschockt, sondern fasziniert haben, so daß Du Dich weiter mit Theorie beschäftgigen möchtest, gebe ich Dir nun ein Werkzeug, das Du dafür gebrauchen kannst.

Eine C-Dur Tonlleiter kann
bekanntlich so aussehen:

Sie kann aber auch so aussehen:




Mit der Intervallschrift ist es zwar nicht möglich, wie mit Noten Melodien aufzuzeichnen, dafür kann man jedoch Strukturen viel leichter durchschaubar machen. Die horizontalen Linien unter den senkrechten Strichen wären zur bloßen Darstellung der Skala nicht nötig. Sie verdeutlichen jedoch die Struktur einer Durskala. Wenn man es weiß, kann man so sogar etwas Musikgeschichte erkennen: Die Oktave mußte wie alles erst erfunden werden. Es gab tatsächlich einmal sogenannte Tetrachorde, mit nur vier Tönen. Daß in manchen Musiken die Melodie nur um einen Ton zu kreisen scheint, erklärt sich leicht mit dem kleineren Bewegungsraum eines Tetrachordes. Doch darum soll es hier nicht gehen.

Ich zeige Dir, was man mit der Intvervallschrift sonst noch alles anfangen kann. Man könnte die Grundlagen der konventionellen Harmonielehre auf der Rückseite eines Bierdeckels darstellen. Wir nehmen uns ein wenig mehr Platz:

Stufe

I
II
III
IV
V
VI
VII
I'

Intervall

Prim
Sekunde
Terz
Quarte
Quinte
Sexte
Septime
Oktave


Wenn Du keine trübe Tasse bist, müßte bei Dir jetzt ein entsprechend großes Licht aufgehen. Was haben wir da angestellt? - Wir haben ein spezielles Koordinatensystem gebastelt. Sowohl auf der Ordinate, als auch auf der Abszisse, trugen wir die Durskala auf. Danach bildeten wir auf jeder Tonstufe nach der Terzregel Akkorde. Nun braucht man eigentlich nur noch genau hinzusehen.

Wir finden unsere Tonika, die Subdominate und die Dominante aus der Bluesformel wieder. Diese drei Hauptakkorde enthalten zusammen sämtliche Töne der Tonleiter. Jeder dieser Hauptakkorde hat Verwandte, Nebenakkorde genannt. Diese liegen eine Terz tiefer oder höher und haben zwei Töne mit ihm gemeinsam. Deswegen nennt man das in den dicken Theorieschwarten Terzverwandtschaft. Seh Dir diese Zusammenhänge an. Wenn Du kannst, spiele sie nach.

Ein Durakkord besteht aus einer großen und aus einer kleinen Terz. Eine kleine und eine große Terz ergeben Moll. Was soll aber VD7 heißen? - Verkürzter Dominant-Sept-Akkord! Ein Dominantakkord, dem eine Septime angehängt und der Grundton weggenommen wurde. Er besteht aus zwei kleinen Terzen und ist einer meiner Lieblingsakkorde, weil er am vielen Stellen als Zwischenakkord paßt. Pingelige Theoretiker mögen ihn weniger. Die wurmt das pythagoräische Komma auch, doch das brauchen wir hier für nichts.

Hier gilt wieder der Apell: Du solltest so ein Akkordsystem selber zeichnen und analysieren. Die Abfolge der Akkorde solltest Du spielen lernen und so üben, wie ich es bei meiner Song-Anleitung beschrieben habe. Am interessantesten finde ich die sich ergebende Abfolge der Akkorde. Hier mal auf G, C liegt blöd auf der Gitarre: FreeVault, bearbeitet

G-Dur/A-Moll/H-Moll/C-Dur/D-Dur/E-Moll/Fis-Rülps/G-Dur

Sowas auf der Gitarre zu greifen, stellt eine kleine Meisterleistung dar, zu der ich Dich herausfordern möchte. Selbst wenn Du das nur teilweise schaffst und Dir nur einzelne Kombinationen harmonisch korrekter Akkorde erarbeitest, bist Du bereits ein kleiner Meister. Ob Du gute Musik machst, hängt davon ab, was Du mit Deinem Handwerkszeug anfängst. Außerdem gibt es Musiker, die ohne besondere Theoriekenntnisse gute Musik machen.

Hier noch ein Tip für die Guitarre. Wenn Du alles in großen Barrees greifen willst, weil Du dann bequem mit dem Plektron über alle Seiten schrammen kannst, kommst Du hier nicht sehr weit. Versuche mal die Griffe kleiner zu machen. In großen Barrees sind manche Töne mehrfach enthalten. Mit kleineren Barrees, die z.b. nur über vier Saiten gehn und auch mal auf der A-Saite anfangen, vielleicht sogar kunstvoll gezupft werden, kann man alle acht Akkorde einer Skala durchgreifen, ohne dafür einen Meter fünfzig Griffbrett zu benötigen. ...äh? - Na schön, ich stürze mich wieder mal in Arbeit für Dich! Wenn Du unten auf klickst, findest Du die dazugehörigen Tabulaturen.

Falls Du mit anderen Tonleitern experimentieren willst, weil Dir die olle Dur-Skala aus den Ohren hängt, denke Dir eine aus oder nimm eine von den folgenden:


Reines Moll:

FreeVault, bearbeitet


Harmonisches Moll:


Melodisches Moll
aufwärts:



abwärts:


Du willst noch mehr Tonleitern haben? Dann spiele die C-Durskala von d nach d'. Diese Kirchentonart heißt dorisch, von e nach e'phrygisch, von f nach f' lydisch und von g nach g' mixolydisch. Was es mit den restlichen Stufen auf sich hat, erspare ich Dir. Die Kichentonarten sind vor allem melodisch interessant und der traurige Rest eines verlorengegangenen Musiziersystems.

Ich spiele überwiegend in phrygisch, das ist nämich gleichzeitig eine typische "Flamenco-Tonart". Das reine oder natürliche Moll ist ebenfalls ein Abkömmling der Durskala. Wenn Du auf der C-Durskala von a nach a' spielst, also beim sechsten Ton anfängst, dann hast Du reines a-moll. Daß so viele Tonarten von der Durstruktur ableitbar sind, erleichtert es ungemein, sie zu lernen.

Wenn Du die Skalen alle durch hast und Dir nun alles bekannt und langweilig vorkommt, dann kannst Du es mit atonaler Musik probieren. In der atonalen Musik gelten weder harmonische Regeln, nichtmal die Verpflichtung zum Mißklang, noch braucht man Tonleitern. So zu improvisieren ist entweder wahnsinnig schwer oder ganz einfach. Je nachdem, wie gut man sich von Regeln lösen kann. Atonale Musik kann ätzend nerven oder unendlich schön sein. Hör Dir mal James Blood Ulmer an. Der ist jetzt wieder beim Blues gelandet. In seiner Free Funk Phase spielte er den schrägsten und vielleicht tollsten Funk aller Zeiten.

zurückzum Anfangweiter
Designed and made by . With some additional free resources. June 2000.