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Das gute alte Cafe Achteck hat längst einen modernen Nachfolger bekommen. Diese Örtchen sind sehr aufwendig gestaltet und stecken voller Funktionalität. Man muß ihnen sogar eine gewisse Eleganz zugestehen, die über ihren Zweck hinaus geht. Das macht durchaus einen Sinn, denn diese Einrichtungen werden ja nicht permanent benutzt und würden ansonsten nur rumstehen.

Der Eintritt kostete fünfzig Pfennige, als ich dieses Gesamtkunstwerk einer kritischen Würdigung unterzog. Ob dies angemessen ist, hängt von der Sichtweise ab. Für den, der darauf angewiesen ist, mag es zu teuer sein. Im kulturellen Kontext ist dieser Preis lachhaft niedrig. Für eine Aufführung von "Warten auf Godot" muß man mehr Geld ausgeben, dabei überkommt einem hier fast das gleiche Gefühl. Man bekommt sogar Musik vorgespielt, damit die Zeit kurzweiliger wird. Darauf, daß die Zeit schnell vergeht, muß man hier gefaßt sein. Nach zwanzig Minuten ertönt ein Warnsignal. Das bedeutet aber nur, daß dann die automatische Tür plötzlich aufgeht. Wer länger zu haben möchte, sollte eventuell nochmal Geld einwerfen.

Für Rollstuhlfahrer sind diese High-End-Toiletten ein Segen. Besonders praktisch sind sie aber für Feuerstuhlfahrer. Man kann direkt hineinfahren. Je nach Geschick braucht man drinnen nichtmal abzusteigen. Vermißt habe ich den Hinweis, ob es sich um eine Damen- oder Herrentoilette handelt. Dann hätte man zwei davon nebeneinander aufstellen müssen, was einen zusätzlichen architektonischen Reiz bedeutet hätte. Vielleicht hat der Platz nicht gereicht.

Insgesamt fällt mein Urteil recht bewundernd aus. Wenn die weltweite Globalisierung nun schon bis zu unseren Toilettenhäuschen vorgedrungen ist, was bedeutet, daß keine gebaut werden, die sich nicht rentieren, dann finde ich es erstaunlich, daß es möglich ist, soetwas hier hinzustellen.

Designed and made by Zacke. May 2001.