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Die Helsingforser Straße


Dieses Ausflugsziel mag für manchen nicht direkt geplant gewesen sein. Wer erwartet bei diesem Anblick irgendwas besonderes oder schaut an jeder Kreuzung erstmal auf einen Stadtplan. Hier fährt man einfach nur durch.

Am besten beherzigen wir einen Spruch, der so manchen Wanderverein am Leben erhält: "Nur wer zu Fuß da war, war wirklich da!" Entsagen wird für eine Weile der schicken Turbulenz einer Weltstadt und begeben wir uns in diese Straße.


Bereits nach wenigen Schritten wissen wir, in was für einer Straße wir sind. Machen wir nicht gleich retour. Gehen wir solange voran, wie es eben geht.

Wir sind freiwillig hier und fühlen uns deshalb der Situation ein wenig überlegen. Doch wie ärgerlich ist es, wenn wir aus Versehen in eine Sackgasse geraten. Vielleicht haben wir unser Ziel vor Augen und kommen nicht hin. Das ist wie im Leben. Hier können wir den Weg wieder zurück gehen. Im Leben geht das oft nicht mehr oder wir wollen es nicht. Wir haben uns verrannt.

Eine Sackgasse wie diese bietet uns die Gelegenheit, über solche Fragen nachzudenken. Falls Sie sich gerade in einer tiefen Lebenskrise befinden, obwohl man Ihnen das wirklich nicht ansieht, können Sie hier ein wenig Abstand gewinnen.

Wie es der Zufall in Verbund mit dem Schicksal so will, befindet sich nicht weit von hier die Praxis eines Psychotherapeuten. Ich hätte mich allerdings am Ende der Sackgasse niedergelassen. Vielleicht war die Miete zu hoch.


In manchen ausweglosen Situationen sollte man ein Periskop dabei haben.


... wer größer als zwei Meter ist, sieht die Reste der DDR zerfallen. Bald bleibt nur noch das Ampelmännchen, wenn überhaupt. Utopien enden oft in Sackgassen.

Wenn sie für Machtapparate instrumentalisiert werden, ist ihr Inhalt beliebig. Utopien die nicht pervertiert werden können, sind utopisch!


Eine Schule in der Sackgasse: Man sieht es an den Graffitys, selbst wenn das Gebäude nur vom geübten Blick als Lehranstalt erkannt wird. Das maximale Lernziel scheint erreicht zu sein:

ERST LERNEN WIR LAUFEN UND SPRECHEN,
DANN SITZEN UND SCHWEIGEN!


Abschließend sei noch zu erwähnen, daß sich hier in einem kuschelig gammligen Altbau Menschen zu Hause fühlen dürfen. Wer in diesem inspirierendem Milieu wohnt, hat eine große Zukunft als Schriftstellerin oder Maler vor sich.

Ein neuerlicher Besuch dieses Ortes hat die Redaktion zu einem Update veranlaßt.

© Fotos, Words and Design by Zacke. April 2002.